Gemeinde Salem

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Der Markt Randersacker

Der malerische Weinort, urkundlich 1123 erstmals erwähnt, leitet seinen Namen wohl von "Acker des Ranther" ab. Die unregelmäßige Dorfanlage im erweiterten Taldelta des Gerbrunner Grundes hat ihren Ursprung in drei ansehnlichen Höfen, die als Kristallisationspunkte der mittelalterlichen Besiedlung gelten.

Die erste urkundenähnliche Erwähnung eines „Winzergartens" findet sich bereits 779. Später dann wuchs der Wein auf bis zu 7500 Rebgrundstücken mit über 2000 Flurnamen. Übrig geblieben sind sieben Lagen. Der „Teufelskeller", dessen Name weniger personal als lokal begründet ist, bezieht er sich doch auf den tiefen dunklen Einschnitt im Gelände dort; der „Pfülben", der sich wie ein pralles Kissen (mittelhochdeutsch „Pfülwe") in der Sonne ausbreitet, der „Lämmerberg", wo auch die
Bergkapelle steht, der „Marsberg", ein Gleithang im Seitental nach Theilheim, der „Sonnenstuhl", der wie ein Stuhl in der Sonne thront, die Großlage „Ewig Leben" und der „Dabug" der die südlichste Weinbergslage von Randersacker darstellt.

Historisch bedeutsam sind der Edelhof, der mächtige Zehnthof und besonders das Bollwerk Mönchshof, vormals Zentrum des evangelischen Klein-Randersacker. Als 1803 Georg Carl von Fechenbach, der letzte Fürstbischof Würzburgs das Theaterspielen verbot, rettete der Mönchshof als preußische Enklave die städtische Kulturszene: es wurde hier weiter gespielt.
Die erste Weinbauschule Frankens hatte ihren Ursprung ebenfalls im Mönchshof.

Dass von 1582 bis etwa 1700 im konfessionell geteilten Dorf zwei unterschiedliche Kalender nebeneinander Gültigkeit hatten und im Abstand von 10 Tagen alle kirchlichen Feste und Feiertage zweimal, aber immer gemeinsam, gefeiert wurden, gehört zu jenen geschichtlichen Kuriositäten, mit denen der Markt aufwarten kann.

Vier Faktoren waren der Entwicklung Randersackers sehr förderlich:

1. Die Weinbau begünstigende Topografie.

Durch gliedernde Taleinschnitte gibt es vier südwestorientierte Steilhänge zum Maintal mit den hervorragenden Weinlagen Teufelskeller, Pfülben, Marsberg und Sonnenstuhl. Die Weinberühmtheit des Marktfleckens basiert auf den Prädikatskreszenzen dieser Lagen. 

Weinbau

Auf der heutigen Flur findet nachweislich seit 779 Weinbau statt. In einer der ältesten deutschsprachigen Urkunden (um das Jahr 1000) über eine Würzburger Gemarkungsbegehung vom 14.10.779 mit dem Sendboten Karls des Großen, ist von „Fredthantes wingarton“ die Rede, der auf unserer heutigen Gemarkung liegt.

Das bedeutet: mehr als 1200 Jahre Weinbau Randersacker und bedeutet auch, dass die erste deutschsprachige Erwähnung eines Weingartens den Randersackerer „Wengert“ betrifft.

Weinzehnt

Die älteste Zehnttafel Weinfrankens, ein lateinischer Text von den Traubenernten 1332 und 1333, befindet sich am Torhaus des Zehnthofs. Die Übersetzung lautet: „Im Jahre des Herrn 1332 fielen 260 Fuder Wein diesem Hof als Zehnte zu, aber im darauffolgenden dritten Jahre nur 12 Fuder“.

Diese höchst unterschiedlichen Ernteerträge zwischen  2290 Hektolitern und 106 Hektolitern kennzeichnen Glanz und Elend des fränkischen Weinbaus. Die „unsichere Rente des Rebstocks, das Würfelspiel der Weinjahre“ und das  Problem, sich nur mittelbar von seinem Grund und Boden ernähren zu können, formten über Jahrhunderte den Häcker zu einem lebhaften und aufgeschlossenen, von Schwerstarbeit geprägten Menschen, der sich in Haltung und Temperament grundsätzlich vom gesetzten, ruhigen Gaubauern, unterschied. Früher war der Winzer mehr Bürger als Bauer, er galt als der „fränkischste“ Franke und war schon immer ein Gewürfelter.

Frühere Weinbergseigentümer

Geistliche Herrschaften:

Zisterzienserkloster Ebrach, Zisterzienserkloster Heilsbronn, Kloster Langheim, die Würzburger Köster St. Burkhard, Himmelspforten, St. Stephan, die Abtei Oberzell, sowie der Würzburger Bischof und das Domkapitel.

Weltliche Herrschaften:

Die Grafen von Castell, die Henneberger, die Hohenloher und die Seinsheimer.

Struktur der Eigentümer im 18. Jahrhundert

Weinbaulich genutzte Fläche damals ca. 323 ha, aufgeteilt in 6 Rittergüter, 31 Hofgüter und 40 Weingüter.

 

Weinbau im 19. Jahrhundert

Randersacker im südlichen Maindreieck (Würzburg - Kitzingen) war in Nordbayern Teil eines „Notstandgebietes“ neben den verarmten Bereichen Spessart und Rhön.

„Armes Volk im reichen Land“.

Bekannteste Weinlage

Der Pfülben zählt zu den renommiertesten Lagen Frankens.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Band 13, S. 1807:

„eine weinbergslage bei Würzburg heiszt der Pfülben (im pfülben werden für most preise bezahlt wie sei seit dem jahre 1822 nicht vorgekommen sind. Frank. journal 12. nov. 1872) und darnach auch der dort wachsende wein, der pfülben ist gut gerathen, ein glas pfülben rtrinken und dergl.

Randersackerer Weinbaupioniere

1) Sebastian Englerth, 1804 – 1880

Ortsvorsteher von Randersacker, Begründer des modernen Weinbaus in Franken, Befürworter des reinen Rebsatzes, Sortenzüchter (Bukettrebe), Gründer der ersten Weinbauschule Frankens.

„Mit dem Weinbau verfolgen wird den Endzweck, den steilen Bergen eine Rente abzugewinnen; wird er an den geeigneten Lagen betrieben, dann beschäftigt derselbe nicht nur eine Menge Hände, liefert ihnen Nahrung, sondern erhöht auch den Genuss des menschlichen Lebens, verschönert die Gegend und verfeinert die Menschen.“

2) Ludwig Schmitt, 1873 – 1957

Zweiter Bürgermeister, Ehrenbürger des Marktes, Gründer der Winzergenossenschaft Randersacker 1921.

Weinbaubegünstigende Topographie

Reich gegliederte Flur: fünf Südwest-Hänge zum Main, fünf Seitentäler und natürlich die direkte Lage am Main und die Nähe zur Frankemetropole Würzburg.

Weinbau heute

Die Großlage ist „Ewig Leben“ („ewig Lehen“).

Einzellagen sind Dabug, Lämmerberg, Marsberg, Pfülben, Sonnenstuhl und Teufelskeller.

Es gibt in Randersacker 17 Weingüter und Weinbaubetriebe, sowie die Winzergenossenschaft. Insgesamt stehen ca. 243 ha im Anbau.

Quellen:

„Sebastian Englerth - ein Pionier des fränkischen Weinbaus“ von Friedrich Lippe

ein Sonderdruck des Fränkischen Weinbauverbandes e.V. Würzburg, März 1980

Chronik Markt Randersacker, Bruno Rottenbach

2. Die Gunst der Lage

Die unmittelbare Nähe zur Frankenmetropole, der vorbeifließende Main und die vormals durchs Dorf führende Würzburg-Ochsenfurter Chaussee, die heutige B 13, auch Bocksbeutelstraße genannt, forcierten den Handel, mobilisierten den Markt und optimierten den Warentransport. Der fischreiche Main tat ein Übriges und ließ die hiesige Fischerzunft zur zweitgrößten Gilde ihrer Art anwachsen.

3. Die Bodenschätze

Der in den örtlichen Steinbrüchen des Gersberges gewonnene Muschelkalk gab vielen Familien Arbeit und Brot. Mit Randersackerer Quaderkalk wurde in allen deutschen Landen gebaut. Das alte Würzburg steht auf Randersackerer Stein. Die Konstitutionssäule in Gaibach errichtete Leo von Klenze 1828 mit diesem Material.

4. Die arbeitsamen Randersackerer

Nicht zuletzt hat über Jahrhunderte hinweg der unermüdliche Fleiß der Einwohner dem Weinort Randersacker soliden Wohlstand beschert und ihm einen hohen Bekanntheitsgrad gesichert.

Die Attraktivität für Genießer und die Faszination für Dürstende sind seit undenklichen Zeiten Kennzeichen und Aushängeschild von Randersacker. Im Cromer, einer Warmzeit vor 600.000 Jahren, frönten Wisente, Bären, Elefanten und etruskische Nashörner in der freigiebigen Mainschenke Randersacker ihrer Trinksucht; sie kamen, und sie kamen beim Durstlöschen um; ihre Skelette erlangten wissenschaftliche Berühmtheit.

Nach den "hohen Tieren" des Cromer kamen ab dem 12. Jhd. die Würzburger Fürstbischöfe, Äbte, Grafen und Ritter in die villa Randeresachere, um als geistliche und weltliche Herrschaften einen dauerhaften Fuß in der Bocksbeutelmulde zu haben.

Heute sind es die zahlreichen Touristen, Wochenendausflügler und Schoppenpendler, die in Randersacker, dem "Würzburger Grinzing", der Begehrlichkeit des Weines anheim fallen und in den 18 Wirtshäusern und Heckenwirtschaften die ausgezeichnete Gastronomie genießen und preisen.

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